Geschrieben von David Schwingen am 16.06.2016 um 10:51h, letzte Aktualisierung: 07.07.2016 um 09:30h
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Wie funktioniert das in Frankreich mit der Maut?

Frankreich hat ein sehr gut ausgebautes Autobahn-Netz mit einer Länge von fast 12.000 Kilometern. Hiervon sind knapp 8.000 Kilometer mautpflichtig.

Eine einfache Fahrt mit dem Auto von Köln nach Paris kostet 13,90 €, eine einfache Fahrt von Köln nach Marseille kostet 55,20 € an Mautgebühren (beide Angaben Stand: 06/2016). Hört sich viel an, ist es in meinen Augen auch. Gerade für uns Deutsche ist Autobahnmaut ein Ärgernis, schließlich kann man bei uns doch Autobahnen völlig umsonst benutzen. Noch jedenfalls!

Wir gehen in diesem Artikel darauf ein, worauf Sie an den Mautstationen achten müssen, woran Sie mautpflichtige Strecken erkennen und wie Sie sich vorab über die Autobahngebühren informieren können.

Mautstation in Frankreich Bild vergrößern
Eine Mautstation in Frankreich - © Copyright: Gillespaire - Dreamstime.com

Warum erhebt Frankreich überhaupt Mautgebühren?

Anders als in Deutschland wird der Bau und der Betrieb einer französischen Autobahn (französisch: autoroute) nicht vom Staat finanziert, sondern durch eine Betreibergesellschaft realisiert. Mit den Mautgebühren werden diese Kosten wieder refinanziert und an dieser Stelle muss ich zugeben, dass der Zustand der meisten Autobahnen in Frankreich wirklich gut ist.

Frankreich hat keine Autobahnvignette, die pauschal für das ganze Land gilt, sondern erhebt nur auf Teilstrecken Maut. Maut fällt nur auf Autobahnen sowie einigen wenigen Brücken und Tunneln an. Es gibt sogar französische Autobahnen, die komplett mautfrei sind. Dies betrifft beispielsweise die A84 von Caen (Normandie) nach Saint-Malo (Bretagne). Zudem sind französichen Landstraßen ebenfalls mautfrei.

Maut sparen in Frankreich und Landstraße fahren - lohnt sich das?

Der eine oder andere von Ihnen stellt sich vielleicht schon die Frage, ob er die Mautstrecken in Frankreich meidet und stattdessen mit seinem Auto auf Landstraßen fährt.

Auch ich habe mir die Frage schon öfters in meinen Urlauben gestellt und bin mautfreie Strecken gefahren, um mir die Autobahngebühren zu schenken. Im besten Fall fährt man RN-Straßen (RN für Route nationale), die aber auf Schildern meist nur mit N7, N8 usw. dargestellt werden. Sie entsprechen unseren Bundesstraßen. Es können aber auch sehr häufig D-Straßen (Departement-Straßen, französisch: Route départementale) sein. Diese entsprechen unseren Kreisstraßen.

Beides klingt erst mal nicht schlimm, stellt sich aber schnell als nervend heraus: Man durchfährt viele kleine Ortschaften und kann kaum längere Strecken fahren. Häufig schaltet man runter von 90 km/h (Höchstgeschwindigkeit außerorts) auf 50 km/h. Die Geschwindigkeitsangaben sollten man ernst nehmen, denn häufig erwartet einen auf N- und D-Straßen eine Radarfalle. Hinzu kommt noch, dass es auf den Landstraßen kaum Tankstellen gibt. Tankstellen befinden sich in Frankreich meist nur auf Autobahnen oder in Gewerbegebieten bei den großen Supermarkt-Ketten.

Ich bin der Meinung, dass man die gesparten Mautgebühren mit einem höheren Spritverbrauch und einem höheren Zeitverlust bezahlt und am Ende nichts gespart hat.

Wie erkennt man mautpflichtige Strecken?

Maut heißt auf französisch péage und so werden mautpflichtige Strecken auch vorher angekündigt. Umrahmt von einem weißen Rechteck steht das Wort péage dann auf den Schildern und weist auf mautpflichtige Strecken hin. Möchten Sie also nicht auf mautpflichtigen Straßen fahren, dürfen Sie dort nicht langfahren. Meistens wird vorher noch eine Abfahrt (französisch: sortie) durch Pfeile angezeigt, wo man runterfahren kann, weil man sich z.B. verfahren hat.

Es kann übrigens durchaus vorkommen, dass Ihr Zielort auf mehreren Schildern nebeneinander auftaucht. Blaue Schilder mit dem Vermerk "péage" sind dann die Route über die Autobahn, grüne Schilder sind die Route über die Landstraße.

Wie ist der Ablauf an einer Mautstation?

Kurz gesagt ist der normale Ablauf so: An der ersten Mautstation fahren Sie in eine Art Box, bekommen dort das Ticket und an der nächsten Mautstation wird es bezahlt. Dabei kann die Länge zwischen den Mautstationen sehr unterschiedlich sein: Von wenigen bis hin zu mehreren hundert Kilometern. Grundsätzlich kommen immer dann Mautstationen, wenn es einen Wechsel des Betreibers gibt oder der mautpflichtige Teil vorbei ist. Denn, wie schon oben beschrieben, wird die Maut immer nur für Teilabschnitte berechnet.

Worauf muss man an den Mautstationen achten?

An der ersten Mautstation erhalten Sie das Ticket. Sie können in alle Boxen fahren, außer denen, wo ein rotes "X" angezeigt wird. Falls Sie nicht mit dem Auto, sondern mit Wohnmobil, Hänger oder LKW unterwegs sind, achten Sie bitte zusätzlich auf die Höhenbeschränkungen und die jeweiligen Piktogramme. Fahren Sie bis zur Schranke vor. Sie brauchen nicht auszusteigen und bekommen meist automatisch oder nach Drücken einer Taste Ihr Ticket, ähnlich dem Ticket im Parkhaus. Entnehmen Sie das Ticket, danach öffnet sich die Schranke und Sie können weiterfahren.

Die Mautstelle an der Sie zahlen müssen, wird Ihnen meist durch Hinweisschilder mit der Aufschrift "gare de péage" bzw. nur "péage" und entsprechenden Meterangaben (meist 2000 Meter vorher) angekündigt. Alternativ kommt eine Mautstelle an der Abfahrt, wo Sie die Autobahn verlassen, falls Sie vorher keine Möglichkeit zum Bezahlen hatten.

Das rote "X" signalisiert Ihnen wieder, wenn eine der Boxen gerade geschlossen ist. Bitte fahren Sie nicht in die Box mit der kleinsten Warteschlange, sondern orientieren Sie sich bitte an den anderen Piktogrammen, die oberhalb der Mautbox angezeigt werden. Die Piktogramme sind im Einzelnen:

  • Grüner Pfeil oder Mann mit einer Mütze: Hier sitzt ein Mitarbeiter in einem Mauthäuschen, wo Sie persönlich bezahlen können. Alle Zahlarten sind möglich.
  • Piktogramm mit Geld / Münzen: Hier wird ausschließlich mit Bargeld an einem Automaten bezahlt. Dieser nimmt sowohl Scheine als auch Münzen und wechselt auch.
  • Piktogramm mit Münzen in einem Korb: Hier wird Münzgeld in eine Art Korb / Trichter geworfen. Scheine werden nicht akzeptiert! Bitte passend zahlen!
  • Kreditkarten bzw. CB: Hier ist eine Zahlung nur mit Eurocard, Mastercard, VISA, CB, Cofinoga möglich. Ebenso sind folgende Tankkarten möglich: Essocard, Total GR, Eurotrafic, DKV, Uta, EuroShell, Routex
  • Orangefarbenes "t": Télépéage - Ein System für Vielfahrer. Die Mautgebühren werden elektronisch erfasst und bezahlt. Hierfür muss vorher eine zusätzlicher Chip im Fahrzeug montiert werden. Wenn Sie also keine Mautbox bzw. Chip hierfür haben, meiden Sie die mit "t" gekennzeichneten Boxen.

Übrigens kann es durchaus vorkommen, dass mehrere Piktogramme für eine Box angezeigt werden. Somit sind dort mehrere Zahlungsmethoden möglich, z.B. Télépéage und Kreditkarte. Sehr schön verdeutlicht dieses Video den Ablauf an einer Mautstation in Frankreich.

Bezahlen an der Mautstation: EC-Karten werden nicht akzeptiert!

Wie oben beschrieben, werden Kreditkarten akzeptiert. Dies gilt aber nicht für die deutsche EC-Karte, da sie keine Kreditkarte ist. Entgegen anderen Beiträgen im Internet funktioniert die EC-Karte nicht an Mautstationen. Punktuell mag sie funktionieren, flächendeckend trifft dies jedoch nicht zu.

Falls Sie also keine der oben genannten Kreditkarten oder Tankkarten besitzen, zahlen Sie bitte bar am Automaten oder fahren an den Schalter (grüner Pfeil).

Brauchen Sie eine Quittung, z.B. wegen dem Finanzamt? An den Automaten ist eine Taste mit der Aufschrift "reçu / receipt". Am Schalter sagen Sie bitte: "Je besoin un reçu, s'il vous plaît."

Sollten Sie aus irgendeinem Grund (z.B. Defekt des Automaten) nicht klar kommen, setzen Sie bitte nicht rückwärts zurück. Immer wieder kommt es an den Mautstationen zu Unfällen, weil Fahrer in Panik zurücksetzen. An den Automaten gibt es eine Taste mit der Aufschrift "aide / help". Drücken Sie diese und warten Sie die Anweisungen ab.

Sollten Sie Ihr Ticket verloren haben, gibt es kurz vor der Mautstation meistens Parkplätze. Dort können Sie es in Ruhe suchen. Wenn Sie es nicht mehr finden, fahren Sie zum Schalter (grüner Pfeil) und sagen Sie dem Mitarbeiter, dass Sie das Ticket verloren haben: billet perdu (Aussprache: bije perdü). Sie werden dann allerdings den vollen Preis für diese Strecke zahlen, da sich nicht mehr nachvollziehen lässt, wo Sie auf die Autobahn gefahren sind.

Lohnen sich Mautboxen und Chips zur Mauterfassung?

Seit einigen Monaten werden im Internet Mautboxen und Chips zur Mauterfassung angeboten. Diese kann man u.a. auch über einen Partnerlink des Automobilclubs AVD buchen. Wenn man öfters im Jahr in Frankreich unterwegs ist (z.B. beruflich), dann kann man darüber nachdenken. Für Urlauber sehe ich allerdings hier wenig Vorteile. Die Mautgebühren sind die gleichen und hinzu kommen noch die Gebühren für die Miete. In 18 Jahren, die ich nach Frankreich fahre, habe ich selten Stau an einer Mautstation gehabt. In der Regel ist man innerhalb von 3 Minuten durch. Einziger Vorteil wäre eine Auflistung aller Mautzahlungen statt vieler einzelner Belege.

Wie hoch sind die Kosten für die Maut und gibt es einen Mautrechner?

Die Kosten sind unterschiedlich, da es - je nach Fahrzeug (PKW, Motorrad, Wohnmobil etc.) - fünf verschiedene Preisklassen gibt. Grob gesagt liegen die Kosten für einen PKW bei ca. 7 € pro 100 Kilometer.

Es gibt mehrere Mautrechner. Empfehlenswert finde ich den Mautrechner der offiziellen Seite autoroutes.fr. Sie ist sowohl in französischer als auch in englischer Sprache verfügbar. Geben Sie - nachdem Aufrufen der Seite - rechts im Feld "Votre itinéraire" bei "Départ" Ihren Abreiseort und bei "Arrivé" Ihren Anreiseort ein und klicken Sie anschließend auf "OK". Deutsche Orte als An- oder Abreiseorte werden erkannt, geben Sie aber bitte Umlaute und Sonderzeichen anders ein, da es sonst zu Fehlermeldungen kommt, also z.B. Koeln statt Köln.

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