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Geschrieben von David Schwingen am 18.07.2016 um 10:40h, letzte Aktualisierung: 26.07.2016 um 17:22h
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Mit dem Zug nach Frankreich fahren

Sie wollen mit dem Zug nach Frankreich reisen? Eine gute Wahl, schließlich sparen Sie sich so - im Gegensatz zum Auto - die Mautgebühren und kommen ausgeruht an Ihrem Zielort an. Je nachdem, ob Sie nach Paris oder zu anderen Zielen innerhalb Frankreichs wollen, gibt es allerdings einige Punkte zu beachten.

Wir gehen in diesem Artikel darauf ein, wie das Streckennetz ist, wie Sie innerhalb Frankreichs weiterreisen und worauf Sie achten müssen.

Innenansicht des Bahnhofs Gare du Nord in Paris Bild vergrößern
"Gare du Nord" in Paris. Man erkennt folgende Züge: Eurostar, 2x Thalys und TER (von li. nach re.) - © Copyright: David Schwingen

Auf nach Paris

Wollen Sie beruflich oder privat nach Paris? Kein Problem: Von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus bestehen etliche Direktverbindungen, die Sie komfortabel nach Paris bringen.

Köln - Paris: 5x täglich

Den Kölner Hauptbahnhof verlassen täglich 5 Thalys-Züge, die Sie in 3:20h in die französische Hauptstadt bringen. Teilweise verkehren die Züge sogar ab Dortmund Hbf. Egal ob aus Dortmund oder aus Köln, alle diese Züge laufen in Paris im "Gare du Nord" ein. Gare (Aussprache: gar) ist das französische Wort für Bahnhof.

Auch preislich kann sich der Thalys sehen lassen: In unserer Stichprobe waren Angebote für eine Fahrt in den nächsten 30 Tagen noch für 70 € (Hin- und Rückfahrt) zu haben. Buchbar sind die Zugtickets über die Internetseite von Thalys.

Thalys ist ein Gemeinschaftsunternehmen der belgischen (SNCB) und der französischen Staatsbahn (SNCF). Bei den Zügen handelt es sich um Hochgeschwindigkeitszüge der Baureihe TGV. Zwischen Belgien und Frankreich verkehren diese Züge mit 250 km/h.

Seit dem 20.12.2015 werden am Gare du Nord Sicherheitsschleusen eingesetzt. Thalys-Reisende müssen sich - aufgrund der Terroranschläge - auf Personen- und Gepäckkontrollen einstellen. Weitere Informationen finden Sie in der Pressemitteilung von Thalys vom 17.12.2015.

Mit dem Thalys nach London, ins Disneyland Paris oder zum Flughafen CDG

Der Thalys, der den Kölner Hauptbahnhof in Richtung Paris verlässt, hält in Aachen, Liège (Lüttich), Bruxelles (Brüssel) und dann erst wieder im Zielbahnhof: in Paris im "Gare du Nord".

Durch den Halt in Brüssel haben Sie die Möglichkeit Anschlusszüge nach Amsterdam (Thalys) oder London (Eurostar) zu nehmen. Der Eurostar-Zug verkehrt u.a. über Brüssel und fährt bei Calais durch den Eurotunnel nach Großbritannien.

Reisende, die zum Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle / Roissy oder zum Disneyland Paris / Eurodisney wollen, sollten in Brüssel in den TGV nach Paris umsteigen, da der Thalys nach Brüssel nicht mehr hält.

Natürlich gibt es über den Thalys hinaus noch andere Zugverbindungen mit denen man die o.g. Ziele erreichen kann. Wenn Sie sich für Reiseziele in Frankreich interessieren, empfehle ich Ihnen zur Recherche die Fahrplanauskunft der französischen Staatsbahn, SNCF. Sie ist in deutscher Sprache verfügbar und listet auch alle DB-, Thalys- & Eurostar-Verbindungen von und nach Frankreich auf. Zudem werden die Preise hierfür angezeigt. Dies passiert bei der Internetseite der Deutschen Bahn AG leider nicht, da es sich um Auslandsverbindungen handelt.

Von Frankfurt am Main / Stuttgart nach Paris in 3:49h

Seit der Eröffnung der Schnellfahrstrecke "LGV Est européenne" im Jahr 2007 verkehren französische TGVs und deutsche ICEs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h und verbinden nun Stuttgart mit Paris in 3:39h und Frankfurt mit Paris in 3:49h. Die Züge laufen in Paris im Bahnhof "Gare de l'Est" ein.

Auch hier gab es bei unserer Stichprobe Angebote für eine Fahrt in den nächsten 30 Tagen: 78 € für Hin- und Rückfahrt. Buchbar sind die Tickets online über die Internetseite der Deutschen Bahn.

Frankreich und der TGV - schon sehr lange eine Erfolgsgeschichte

Frankreich verfügt über ein sehr gut ausgebautes Hochgeschwindigkeitsnetz. Bereits seit den 80iger Jahren verkehrt in Frankreich der Hochgeschwindigkeitszug TGV (französisch: train à grande vitesse). Mit 2036 km allein nur an Schnellfahrstrecken (Quelle: wikipedia.de) ist das Netz in Frankreich wesentlich ausgebauter als in Deutschland, hier sind es rund 1620 km (Quelle: wikipedia.de).

Allerdings ist das französische Streckennetz jahrzehntelang auf Paris ausgerichtet worden, sprich (fast) alle wichtigen Verbindungen führen über Paris.

Paris oder nicht Paris - Das ist hier die Frage

Mit dem Zug nach Paris fahren ist unkompliziert. Kompliziert wird es dagegen, wenn Sie andere Ziele in Frankreich ansteuern wollen, die eigentlich fernab von Paris liegen: Wenn Sie z.B. von Frankfurt am Main nach Bordeaux wollen.

Bordeaux liegt fast 600 km südlich von Paris und dennoch führen (fast) alle Verbindungen von Deutschland aus über Paris. Dabei ist der Zeitverlust nicht das Problem, denn der TGV erreicht in Frankreich auf einigen Strecken eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h.

Das Problem ist das Umsteigen in Paris, denn Paris hat 6 verschiedene Bahnhöfe.

Mit dem Zug nach Frankreich: Umsteigen in Paris

Mal angenommen Sie fahren mit dem Zug von Koblenz nach Hamburg und müssen in Köln umsteigen: Kein Problem. Sie steigen aus und wechseln auf den Bahnsteig, wo Ihr Zug nach Hamburg abfährt.

So etwas geht in Paris leider nicht. Als die Eisenbahn am Anfang des 19. Jahrhunderts nach Paris kam, war Paris bereits zu dicht bebaut. Somit war der Bau von Durchgangsbahnhöfen nicht mehr möglich und es entstanden Kopfbahnhöfe, auch Sackbahnhöfe genannt. Verbindungsfahrten zwischen den einzelnen Bahnhöfen gibt es nicht.

Für unser Beispiel (Frankfurt - Bordeaux) bedeutet das: Wir kommen mit dem Zug von Frankfurt im Gare de l’Est an und unser Anschlusszug geht vom Gare Montparnasse. Eine Taxifahrt hierhin, würde 36 Minuten dauern. Metro oder RER (eine Art S-Bahn) schaffen die Strecke in 20 Minuten.

Wenn Sie in Paris umsteigen müssen und somit den Bahnhof wechseln, planen Sie bitte einen ausreichend großen Zeitpuffer (mindestens 1 Stunde) für die Fahrt zum nächsten Bahnhof, aber auch für Staus oder volle Metros / RER mit ein. Einzige Ausnahme: Der Gare du Nord und der Gare de l’Est liegen zu Fuß gerade mal 10 Minuten auseinander.

Die 6 Kopfbahnhöfe in Paris sind:

  • Gare du Nord (10. Arr.): für Züge in Richtung Lille, London, Brüssel, Köln
  • Gare de l’Est (10. Arr.): für Züge in Richtung Straßburg, Frankfurt, Stuttgart
  • Gare de Lyon (12. Arr.): für Züge in Richtung Süd-Ost: Lyon, Marseille, Zürich, Turin
  • Gare d’Austerlitz (13. Arr.): für Züge in Richtung Süd: Orléans, Toulouse
  • Gare Montparnasse (15. Arr.): für Züge in Richtung (Süd-)Westen: Rennes, Nantes, Bordeaux
  • Gare Saint-Lazare (8. Arr.): für Züge in Nord-Westen: Caen, Rouen, Le Havre

Bitte Zugtickets unbedingt vor der Reise entwerten

In Frankreich ist es üblich das Ticket vor Reiseantritt zu entwerten. Hierfür stehen gelbe oder orangefarbene Fahrkartenentwerter auf jedem Bahnsteig, die mit dem Hinweis "compostage de billets" (zu deutsch: Entwertung des Tickets) versehen sind. Hier muss die Fahrkarte entwertet werden! Ab dem Moment der Entwertung ist das Ticket 24 Stunden gültig für die auf dem Ticket aufgedruckte Reise. Ob Sie das Ticket entwertet haben, wird im Zug durch den Schaffner überprüft. Zeigen Sie dann ein nicht entwertetes Ticket vor, gelten Sie als Schwarzfahrer. Deshalb entwerten Sie bitte unbedingt Ihr Ticket vor Reiseantritt. Beim Umsteigen braucht dagegen das Ticket nicht nochmal entwertet werden.

Sollte es Ihnen - aus irgendeinem Grund - nicht möglich gewesen sein ein Ticket zu kaufen, gehen Sie bitte sofort auf den Schaffner zu. Er wird Ihnen dann - gegen einen Aufschlag - ein Ticket ausstellen.

Reservierungspflicht im TGV

Woran erkennt man einen Schwarzfahrer? Ganz einfach: In vollen TGVs muss er während der Fahrt stehen. Da Fahrkarten für den TGV nur mit einer Sitzplatzreservierung verkauft werden, wird es eigentlich nie mehr Fahrgäste als Sitzplätze geben. Somit kann in Frankreich tatsächlich ein Zug ausgebucht sein, während im deutschen ICE die Fahrgäste stehen müssen, wenn der Zug voll ist. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Sitzplatzreservierung allerdings ohne Aufpreis (Ausnahme: Interrail-Tickets) verbunden. Die Reservierungspflicht gilt nicht nur für TGVs, sondern teilweise auch für französische Intercités.

Fahrrad im TGV

Und noch etwas ist in Frankreich anders als in Deutschland: Obwohl der TGV ein Hochgeschwindigkeitszug ist, ist die ist die Mitnahme von Fahrrädern auf einigen Strecken erlaubt (siehe Karte). Hierfür ist ein Aufpreis von 10.- € zahlen. Fahrradmitnahme und Zugticket müssen gleichzeitig gebucht werden, leider lässt sich dies über die deutschsprachige Internetseite der SNCF jedoch nicht buchen. Daher rate ich Ihnen in diesem Fall sich telefonisch an den SNCF-Shop in Köln zu wenden.

Ebenso kann man sein Fahrrad in vielen Intercités mitnehmen. In den Regionalzügen (TER) sollte dagegen eine Mitnahme des Fahrrads in allen Zügen möglich sein.

Wenig Regionalverkehr außerhalb von Paris (Île-de-France)

Wenn man an den Nahverkehr in Deutschland denkt, gibt es leider einige Regionen, um die es nicht so gut bestellt ist. Dennoch ist das Netz so dicht, dass man mit Regionalzügen von Kiel nach München reisen könnte. Das Angebot an Regionalzügen in Frankreich ist dagegen deutlich geringer. Deshalb gibt es in Frankreich auch kein Ticket, was mit dem deutschen "Schönes-Wochenende-Ticket" vergleichbar ist und womit man im ganzen Land den Nahverkehr nutzen könnte. Dafür sind Bahntickets in Frankreich - in meinen Augen - günstiger als in Deutschland und das TGV-Netz ist gut ausgebaut.

Züge werden immer erst 20 Minuten vorher angezeigt

Und noch etwas ist in Frankreich anders beim Zug fahren. Züge und die zugehörigen Bahnsteige werden auf den Anzeigetafeln erst knapp 20 Minuten vorher angezeigt. Es macht also keinen Sinn schon frühzeitig auf dem jeweiligen Bahnsteig auf seinen Zug zu warten.

Fahrzeit von München Schweiz und Österreich, Reservierungspflicht abklären, Interrail, Entwerten abklären bei anderen Tickets außer Papiertickets

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