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Geschrieben von David Schwingen am 02.07.2016 um 08:40h, letzte Aktualisierung: 22.07.2016 um 08:20h
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Mit dem Auto nach Frankreich fahren

Sie wollen mit dem Auto nach Frankreich reisen? Kein Problem! Mit dem Auto sind Sie bei der Anreise am flexibelsten und Frankreich verfügt über ein sehr gut ausgebautes Autobahn- und Straßennetz. Allerdings gibt es einige Dinge und Kuriositäten, die Sie kennen sollten bevor Sie nach Frankreich fahren.

Wir gehen in diesem Artikel darauf ein, wie die Höchstgeschwindigkeiten sind, welche Dokumente und Dinge Sie im Auto bei sich führen müssen und wie das Fahrverhalten der Franzosen ist.

Autobahn bei Avignon (Frankreich) Bild vergrößern
Frankreich hat ein sehr gut ausgebautes Autobahnnetz, hier die Autobahn bei Avignon - © Copyright: Drevojan - Fotolia.com

Maut auf französichen Autobahnen

In Frankreich herrscht Mautpflicht. Diese gilt aber nur für Autobahnen und einige (wenige) Tunnel und Brücken. Wie der Ablauf mit der Maut ist und was man wissen sollte, haben wir in einem seperaten Artikel (Wie funktioniert das in Frankreich mit der Maut?) für Sie erklärt. Nur soviel sei gesagt: Lange Strecken auf Landstraßen zu fahren, um die Maut zu sparen, lohnt sich meist nicht.

Gut ausgebautes Straßennetz

Das Straßennetz in Frankreich ist gut ausgebaut, der Zustand der Autobahnen ist oft besser als in Deutschland.

Autobahnen heißen auf französisch autoroutes (Aussprache: oto ruth). Auf Schildern werden sie abwechselnd mit den Nummern der Europastraßen und den Nummern der Autobahnen ausgewiesen, z.B. die A6 / E15 von Paris nach Lyon.

Die eigentlichen Autobahnschilder sind blau. Sollten Sie auf der Autobahn unterwegs sein und blaue und grüne Schilder nebeneinander mit den gleichen Orten sehen, bitte nicht wundern: Die blauen Schilder führen Sie weiter über die Autobahn, während die grünen Schilder die Route über die Landstraße anzeigen.

Nach Frankreich? Nicht ohne mein Navi!

Es mag ja noch Romantiker geben, die ein Navi zu neumodisch finden und lieber mit dem guten alten Michelin-Atlas unterwegs sind.

Gerne dürfen Sie zusätzlich noch einen Atlas dabei haben, aber ohne Navi nach Frankreich zu fahren, halte ich für keine gute Idee: Mal ganz davon abgesehen, dass Ihnen die Orte, die die Richtung angeben nur zum Teil etwas sagen werden, finde ich die Beschilderung in Frankreich nicht so eindeutig wie in Deutschland. Lange Namen werden auf den Schildern gerne abgekürzt. Hätten Sie gewusst, dass Z.C. auf einem Schilder für das Einkaufszentrum am Stadtrand steht (französisch: zones commerciales)?

Navigation per Smartphone (z.B. über Google Maps) geht natürlich auch, wird aber durch die Roaminggebühren schnell teuer. Hier würde ich mir überlegen lieber für ca. 100 € ein Navi zu kaufen.

Die Landstraßen in Frankreich: Route nationale & Route départementale

Ähnlich wie in Deutschland, wo es Bundesstraßen und Kreisstraßen gibt, gibt es so ein System auch in Frankreich. Die Route nationale ist die Nationalstraße, während die Route départementale eine Departement-Straße ist. Diese Einteilung hat weniger etwas mit der Größe der Straße, als mit der Verantwortlichkeit für die Instandhaltung zu tun.

Auf Schildern werden Nationalstraßen nur mit N7, N8 usw. in weißer Schrift auf rotem Hintergrund angezeigt. Departementstraßen werden häufig mit schwarzer Schrift auf gelben Hintergrund - mit z.B. D 400 - angezeigt.

Ausfahrt heißt sortie

Egal ob Autobahn oder Landstraße, die Ausfahrt heißt sortie. Allerdings steht dies meist nicht auf den Schildern so drauf. Meist steht ca. 1800 Meter vor der eigentlichen Abfahrt ein weißes Schild am rechten Straßenrand, wo die jeweilige Nummer der Abfahrt sowie einige Orte draufstehen.

Schilder mit der Aufschrift "Aire de ..." kündigen übrigens keine Ausfahrt im eigentlichen Sinne, sondern den nächsten Rastplatz an. Rastplätze mit Tankstellen verfügen meist - neben Toiletten - auch über entsprechende Wickelräume für Babys. Die größeren Rastplätze haben sogar kostenpflichtige Duschen für LKW-Fahrer. Häufig findet man an den größeren Rastplätzen neben Tankstelle und mehreren Restaurants auch ein Hotel. Hierbei handelt es meist um Hotels der Marken "Kyriad" oder "Ibis budget" (ehemals Etap).

Wie die Kraftstoffsorten auf französisch heißen und was man beim Tanken in Frankreich beachten sollte, haben wir in einem seperaten Artikel (Wie funktioniert das in Frankreich mit dem Tanken?) für Sie erklärt.

Warnweste & Co - Diese Dinge müssen Sie in Frankreich im Auto dabei haben

Neben Ihrem Führerschein müssen Sie den Fahrzeugschein bei sich führen. Zusätzlich rate ich Ihnen noch die grüne Versicherungskarte sowie den "europäischen Unfallbericht" dabei zu haben, die Sie beide bei Ihrer Versicherungsgesellschaft erhalten.

Außerdem benötigen Sie mindestens eine reflektierenden Warnweste, die der CE-Norm entspricht. Diese muss griffbereit im Kfz verstaut sein und im Schadensfall vor Verlassen des Fahrzeugs angezogen werden. Sobald Ihre Mitfahrer bei einer Panne oder einem Unfall das Fahrzeug verlassen, benötigen diese ebenfalls eine Warnweste. Bei Nichtbeachtung drohen Geldstrafen von mindestens 90 Euro. Übrigens müssen seit 01.01.2016 auch Motorräder eine Warnweste mitführen.

Ebenfalls vorgeschrieben ist ein Warndreieck. Es muss mindestens 30 Meter vom Fahrzeug aufgestellt werden, die Warnblinkanlage am Fahrzeug muss eingeschaltet werden.

Um andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu warnen, empfehle ich Ihnen allerdings größere Abstände: Das Warndreieck sollten Sie innerorts 50 Meter, außerorts 300 Meter vor der Gefahrenstelle aufstellen. Das Warndreieck braucht nicht aufgestellt werden, wenn Sie sich dadurch selbst in Lebensgefahr begeben würden.

Seit Juli 2012 ist jeder Fahrzeughalter verpflichtet einen Alkoholtester mitzuführen. Das es aber um dieses Gesetz viel Verwirrung gab und es in der Vergangenheit nicht ausreichend genug Tester zu kaufen gab, zieht die Nichtbeachtung dieser Vorschrift aktuell kein Bußgeld mit sich.

Die Geschwindigkeiten

Die Höchstgeschwindigkeiten bei normalen Verkehrs- und Wetterbedingungen:

  • Autobahn: 130 km/h
  • Außerorts: 90 km/h
  • Innerorts: 90 km/h

Bei Stadtautobahnen oder Straßen mit zwei Fahrstreifen, die durch einen Grünstreifen in der Mitte getrennt sind, beträgt die Höchstgeschwindigkeit 110 km/h.

Die Höchstgeschwindigkeiten bei Regen oder sonstigen Niederschlägen:

  • Autobahn: 110 km/h
  • Außerorts: 80 km/h
  • Innerorts: 50 km/h

Bei Stadtautobahnen oder Straßen mit zwei Fahrstreifen, die durch einen Grünstreifen in der Mitte getrennt sind, beträgt die Höchstgeschwindigkeit 100 km/h.

Bei Sichtweiten unter 50 m beträgt die Höchstgeschwindkeit überall 50 km/h!

Temposünder und unsichtbare Radarfallen in Frankreich

Auch wenn man sich als deutscher Autofahrer schon verwundert die Augen reibt, weil man gerade überholt wird, rate ich dringend davon ab schneller als erlaubt unterwegs zu sein.

Zum einen fackelt die französische Polizei nicht lange, zum anderen ist der Bußgeldkatalog viel strenger als in Deutschland. So liest man bei dem Punkt Geschwindigkeitsüberschreitungen auf der Seite der französischen Botschaft folgendes: "[...] Bei Überschreitungen über 50 km/h erhöht sich die Strafe auf maximal 1.500 € und die Konfiszierung des Fahrzeugs. Es ist untersagt, Geräte zu besitzen, mitzuführen oder zu benutzen, die den Fahrer vor Radarfallen warnen. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmung werden mit einer Geldbuße von 1.500 € bestraft. [...]"

Seit 2013 kommen zudem neue unsichtbare Radarfallen zum Einsatz. Sie sind hinter dem Nummernschild eines Zivilfahrzeugs angebracht und benötigen keinen Blitz mehr. Halten Sie sich also in Ihrem eigenen Interesse an die Höchstgeschwindigkeit und verzichten Sie auf jegliche Radarwarngeräte.

Panne - was nun?

Denken Sie bitte daran - falls möglich - zuerst die Gefahrenstelle abzusichern.

Bei einer Autopanne gehen Sie bitte zur nächsten Notrufsäule. Falls Sie kein Französisch sprechen sollten, verständigen Sie sich auf Englisch. Mit Glück versteht man sogar Deutsch. Wenn Sie über eine europaweiten Pannenschutz verfügen, sagen Sie, dass Sie Mitglied im ADAC, ACE, AVD etc. sind.

Alternativ können Sie die Panne auch per Handy mitteilen. Hier die wichtigsten Nummern:

  • ADAC: +49 89 22 22 22
  • ACE: +49 711 530 34 35 36
  • AvD: +49 69 6606 600

Unfall - was nun?

Bitte sichern Sie die Unfallstelle - falls möglich - ab. Schalten Sie die Warnblinkanlage an, ziehen Sie und Ihre Beifahrer Warnwesten an und stellen Sie das Warndreieck auf (innerorts: 50 Meter, außerorts: 300 Meter) und vermeiden Sie so, dass zu weiteren Unfällen kommt.

Vergewissern Sie sich, dass alle Beteiligten unverletzt sind.

Sollte es Verletzte geben, koordinieren Sie sich schnell, wer den Notruf absetzt und wer erste Hilfe leistet. Wenn Sie als einziger vor Ort sind, setzen Sie sofort den Notruf ab, um keine wertvolle Zeit zu verlieren.

Notruf absetzen: 18 (Feuerwehr) oder 112

Die Notrufnummer der Feuerwehr in Frankreich lautet 18. Ebenso ist es möglich die europäische Notfallnummer 112 zu wählen. Bitte bedenken Sie bei einem Handy mit deutscher SIM-Karte, dass Sie die 0033 als Ländervorwahl für Frankreich vorher eingeben, also 0033 18 oder 0033 112.

Orientieren Sie sich beim Absetzen des Notrufs an den 6-W-Fragen. Diese Reihenfolge ist europaweit gleich.

  • Wer bin ich? (Mögliche Antwort: Bonjour, je m'appelle Max Mustermann.)
  • Wo geschah es? (Mögliche Antwort: Je suis sur l'autoroute A6 entre Évry et Montereau-Fault-Yonne à la direction Lyon chez kilomètre 51.)
  • Was geschah? (Mögliche Antwort: Il y avait un accident avec 2 voitures.)
  • Wie viele Verletzte? (Mögliche Antwort: Il sont blessés 2 personnes.)
  • Welche Art von Verletzungen? (Mögliche Antwort: Une personne a une plaie saignante sur la tête. L'autre personne a des douleurs fort dans le bras.
  • Warten auf Rückfragen!

Die Feuerwehr wird dann - genau wie in Deutschland - automatisch Polizei und Rettungsdienst koordinieren.

Französische Polizei kommt nicht bei Blechschaden

Sollte es sich bei dem Unfall lediglich um Blechschaden handeln und sich die Fahrzeuge bewegen lassen sowie keine Verletzte geben, wird die französische Polizei nicht rauskommen. Die betroffenen Autos müssen zur Seite gefahren werden, um den laufenden Verkehr nicht zu behindern. Dann erfolgt die Aufnahme über den europäischen Unfallbericht sowie die grüne Versicherungskarte, die sich im Vorfeld Ihrer Frankreich von Ihrer Versicherung zuschicken lassen sollten.

Finger weg vom Handy, Kopfhörer verboten

Handy am Ohr wird in Frankreich mit mindestens 135 € bestraft. Seit 01.07.2015 sind auch alle Arten von Kopfhörern beim Bedienen eines Fahrzeugs verboten. Dies betrifft dann auch In-Ear-Kopfhörer.

Das Fahrverhalten der Franzosen

Hupen gehört zum guten Ton

Blinken wird überbewertet

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